Business Case

Warum in partnerschaftliche Unternehmenskultur und betriebliche Gesundheitspolitik investieren?

Unstrittig ist, dass partnerschaftliche Unternehmenskultur und betriebliche Gesundheitspolitik wichtige Beiträge zur Erreichung wirtschaftlicher Ziele eines Unternehmens leisten.

Dies belegen wissenschaftliche Daten aus unterschiedlichen Forschungsbereichen. Es fehlt jedoch bisher eine Verknüpfung und Integration dieser Informationen sowie eine Übersetzung in die "Unternehmenssprache". Wie läßt sich der so genannte Business Case beschreiben?

Im Rahmen seiner Diskussion der verschiedenen wissenschaftlichen Ansätze sowie der Grundlage der ausgetauschten Erfahrungen des Netzwerks  Enterprise for Health (EfH) ist der Bedarf deutlich geworden, die verfügbaren, aber verstreuten und unzusammenhängende Informationen systematisch und praxisorientiert zum Business Case aufzubereiten.


Drei Gründe, warum sich Unternehmenskultur rechnet:


Schon heute besteht im Netzwerk-Kreis Konsens über die Gründe, die Investitionen in partnerschaftliche Unternehmenskultur und betriebliche Gesundheitspolitik rechtfertigen. Die Mitgliedsunternehmen tätigen diese Investitionen, weil

  • sie die Wertvorstellungen einer partnerschaftlichen und gesundheitsgerechten Unternehmenskultur teilen und unterstützen,
  • die Auswirkungen der sozialen und demografischen Entwicklung eine partizipations- und gesundheitsorientierte Unternehmenskultur verlangen – insbesondere im Hinblick auf die Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte,
  • sie dadurch Produktivität und Wachstum verbessern und Kundenbeziehungen nachhaltig entwickeln können.


Unternehmenskultur und betriebliche Gesundheitspolitik: Erfolgsfaktoren für Business Excellence

Die EfH-Unternehmen sind überzeugt, dass es erforderlich ist, bei der Entwicklung von Unternehmensstrategien einen neuen Weg zu gehen, der am besten durch den Ansatz der "gesunden Organisation" beschrieben werden kann. Eine "gesunde Organisation" ist eine Organisation, deren Kultur, Management, Arbeitsklima und sonstigen Geschäftspraktiken ein Umfeld schaffen, das die Gesundheit, Effektivität und Leistung ihrer Beschäftigten fördert. Gesunde Organisationen sind wirtschaftlich erfolgreich und beschäftigen gesunde Belegschaften. Gesunde Organisationen sind in der Lage, ein Gleichgewicht zwischen den wirtschaftlichen Leistungszielen und den Zielen bezüglich der Gesundheit und des Wohlbefindens der MitarbeiterInnen herzustellen und dieses Gleichgewicht auch im Kontext eines sich ständig verändernden, wirtschaftlichen und sozialen Umfelds anzupassen bzw. aufrechtzuerhalten.

Die EfH-Überzeugung begründet sich aus gemeinsamen Werten, die durch gute Praxisbeispiele und wissenschaftliche Erkenntnisse untermauert werden. EfH-Unternehmen teilen die gemeinsame Überzeugung, dass die Qualität der Arbeit – einschließlich des Humankapitals – der entscheidende Faktor für den wirtschaftlichen und sozialen Erfolg der Unternehmen wie auch der gesamten Gesellschaft ist.

Praktische Erfahrungen und Forschungsergebnisse zeigen deutlich, dass sowohl die Gesundheit von Beschäftigten und das Wirtschaftswachstum als auch die Produktivität verbessert werden können, insbesondere durch Maßnahmen zur Optimierung der Arbeitsgestaltung, der Produktionssysteme, der  Organisationsstrukturen, des Personalmanagements und der gesamten Unternehmenskultur.


Wichtige Werte: Förderung einer sozial verantwortlichen Führung

Die EfH-Mitgliedsunternehmen teilen eine Reihe von Grundüberzeugungen, die betrieblichen Maßnahmen zur Gestaltung einer partnerschaftlichen Unternehmenskultur und betrieblichen Gesundheitspolitik zu Grunde liegen. Diese Überzeugungen finden ihren Niederschlag in den individuellen Herangehensweisen der Mitgliedsunternehmen.

In der heutigen Zeit setzt eine erfolgreiche Führung eine klare Wertebasis voraus, die Orientierung vermittelt und allen Stakeholdern ein Gefühl des Zusammenhalts vermittelt. Grundüberzeugung ist dabei, dass sozialer Zusammenhalt und wirtschaftlicher Erfolg sich einander bedingen. Dieser Grundsatz betrifft alle Handlungsebenen: Unternehmen, Kommunen, Länder und supranationale Regionen wie die Europäische Union. Diese Wertebasis führt zu einem veränderten Verständnis hinsichtlich des Beitrages von Beschäftigten zum Unternehmenserfolg, hinsichtlich der erforderlichen Managementkonzepte und in Bezug auf den Stellenwert der Unternehmenskultur. Diese Konzepte werden zu entscheidenden unternehmerischen Handlungsfeldern; sie gewährleisten die notwendige Flexibilität, um Veränderungen zu bewältigen und sich ständig neuen Umfeldern
anzupassen.


Der soziale, demografische und technologische Wandel in der Arbeitswelt

Sich dem Problem einer älter werdenden Belegschaft stellen
Das Altern der Belegschaften ist einer der stärksten Trends in allen entwickelten Wirtschaften und Gesellschaften auf der ganzen Welt. Abgesehen von den Auswirkungen der demografischen Belastungen für unsere Sozialsysteme besteht kein Zweifel, dass die Wirtschaftsleistung immer mehr von der Fähigkeit des Managements abhängen wird, eine wachsende Gruppe älterer Beschäftigter aktiv einzubeziehen. Daher müssen Arbeitgeber die strategische Rolle der Qualität von Arbeitsplätzen und Arbeitsumfeldern erkennen, welche diesen demografischen Veränderungen Rechnung tragen muß. Die betriebliche Gesundheitspolitik wird damit ein wichtiger Bestandteil von Arbeitsqualität,
Voraussetzung um neue Arbeitskräfte zu gewinnen, auszubilden und an das Unternehmen zu binden.

Technologischer Wandel
Der technologische Wandel resultiert vor allem aus dem Übergang von der Industrie- zur Informations- oder Wissensgesellschaft. Information und Wissen werden neben den materiellen Rohstoffen und den finanziellen Ressourcen zu den kritischen Erfolgsfaktoren. So werden die Beschaffung, Verarbeitung und Aufbereitung von Informationen die zukünftige Arbeitswelt maßgeblich prägen. Die Zahl der Beschäftigten in wissensintensiven Dienstleistungen steigt kontinuierlich, während die gewerbliche Arbeit abnimmt und weiter abnehmen wird. Die technologische Basis dieses Wandels ist die immer weitere Durchdringung der Arbeitswelt durch die verschiedenen Anwendungen der Informations- und Kommunikationstechnologien. Digitalisierung, Miniaturisierung (immer kleinere Endgeräte) und multifunktionale, integrierte Anwendungen werden zur Grundlage neuer, flexiblerer und dezentraler Arbeitsstrukturen. Schon heute ist der Wissensvorsprung für viele Unternehmen der wichtigste Wettbewerbsvorteil. Forschung und Entwicklung, lebenslanges Lernen und generell eine kontinuierliche Abstimmung und Weiterentwicklung von Organisation, Technologie und Humanressourcen werden für viele Unternehmen zu den zukünftig entscheidenden Handlungsfeldern im Wettbewerb.


Steigerung des Wirtschaftswachstums und der Produktivität: Senkung der Krankheitskosten und Verbesserung der Arbeitsqualität
(Beitrag zum Stakeholder Value)

Schlechte Arbeitsbedingungen und ungesunde Arbeitsumgebungen verursachen erhebliche, vermeidbare Kosten für das Unternehmen. Menschen, die wegen eines ungesunden Arbeitsumfelds erkrankt sind und der Arbeit fernbleiben müssen, müssen die Dienste der medizinischen Versorgung in Anspruch nehmen und tragen somit zur Erhöhung der allgemeinen Kosten der medizinischen Versorgung bei. Ein Teil dieser Kosten wird durch Arbeitgeber entweder direkt oder indirekt (d. h. als Teil des Sozialversicherungsbeitrags oder als Teil des Steuersystems) gedeckt.

Krankheitsbedingte Fehlzeiten verursachen ebenfalls einen Verlust des Ertrags und erfordern in den meisten Fällen zusätzliche Ausgaben für die Bereitstellung von Ersatzpersonal, um eine störungsfreie Produktion bzw. Erbringung von Dienstleistungen zu sichern.

Weitaus wichtiger sind jedoch Kosten, die dadurch entstehen, dass MitarbeiterInnen aufgrund arbeitsbedingter Gesundheitsprobleme leistungsgemindert sind. Dies sind "versteckte" Kosten, die mit erheblichen Auswirkungen auf Produktivität und Arbeitsleistung verbunden sind.

Darüber hinaus führen beide Fälle zu zusätzlichen, finanziellen Belastungen für die Sozialsysteme, die in den meisten Fällen durch die Arbeitgeber mitfinanziert werden (steuerbasiert oder basierend auf Beiträgen an die Sozialversicherungssysteme). Die Zunahme der öffentlichen Ausgaben aufgrund ungesunder Arbeitsumfelder reduziert die allgemeine Investitionsfähigkeit der öffentlichen Haushalte und beeinträchtigt dadurch die Qualität der öffentlichen Infrastruktur, die wiederum die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Wirtschaftswachstum und die Produktivitätsentwicklung verschlechtert.

Die EfH-Mitgliedsunternehmen bestätigen die zunehmenden Anzeichen, dass jene Unternehmensstrategien und Managementpraktiken, die partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz und gesunde Belegschaften stärken, in der Tat signifikante Kosteneinsparungen erzielen und sogar zu einer positiven Kapitalrendite führen.

Verbesserung von Produktivität, Innovation und Wachstum
Zukünftige Wettbewerbsvorteile hängen von solchen Unternehmensstrategien ab, die eine effizientere Entwicklung und Anwendung von Wissen in den Mittelpunkt stellen. Insbesondere Unternehmenswerte und Maßnahmen des Personalmanagements, die die Beteiligung der MitarbeiterInnen fördern, stehen bei sogenannten "high performance"- Arbeitsplätzen im Vordergrund. Untersuchungen bestätigen, dass die Mitarbeiterbeteiligung (d. h. eigenständig geführte Arbeitsgruppen, flexible Arbeitsgestaltung, kontinuierliche Weiterbildung, Gewinnbeteiligung) die Produktivität in einem Bereich zwischen zwei Prozent und fünf Prozent verbessert. Wissensentwicklung und Wissensanwendung hängen in hohem Maße von einer allgemeinen Lernkultur ab, die wiederum Investitionen in eine gesundheitsgerechte Arbeitsumgebung erforderlich macht.

"High performance"-Arbeitsplätze erlauben, dass Menschen in die Lage versetzt werden, sich am kontinuierlichen Lernen aktiv zu beteiligen. Die Arbeitsverdichtung – und ihre Auswirkungen auf die Höhe der Belastungen und den Gesundheitszustand – ist als größtes Hindernis für die Umsetzung einer Lernkultur in vielen Unternehmen bekannt. Insbesondere gut ausgebildete Fachleute, Facharbeiter, Manager und andere hochqualifizierte Arbeitskräfte, denen eine strategische Rolle im Hinblick auf Innovation und Produktivitätsverbesserung zukommt, sind gleichzeitig von erheblichen Arbeitsbelastungen und Arbeitsintensivierung betroffen. Sie benötigen ein hohes Maß an Arbeitsqualität, was wiederum ein gesundheitsgerechtes Arbeitsumfeld einschließt.

Effiziente Prozesse, zufriedene MitarbeiterInnen, Kunden, Shareholder und öffentliche Interessengruppen
Das Prinzip des Shareholder Value muss durch eine Perspektive der Mitarbeiterorientierung und der sozialen Verantwortung ergänzt werden. Erfahrungen aus Wissenschaft und Unternehmenspraxis zeigen deutlich, dass ein nachhaltiger, wirtschaftlicher Erfolg durch Investitionen entlang der sogenannten "Mitarbeiter-Kunde-Gewinn-Kette" erzielt werden kann. Zufriedene und engagierte MitarbeiterInnen sorgen für zufriedene und loyale Kunden. Einer der Schlüssel zur Initiierung dieser Kette ist mit den Prinzipien von Fairness und Vertrauen verknüpft. MitarbeiterInnen, die sich fair und vertrauensvoll behandelt fühlen, werden sich für die Erreichung der Unternehmensziele engagieren und bauen auf diese Weise einen kontinuierlichen Erfolgszyklus auf.

Das Bindeglied zwischen Beschäftigten und Kunden bilden Prozessoptimierungen. Maßnahmen, die in den Handlungsfeldern Work-Life Balance, demografischer Wandel und älter werdende Belegschaften, Diversity, flexible Arbeit, Wissensmanagement und lebenslanges Lernen, gesunder Lebensstil ansetzen, verbessern bei den Beschäftigten

  • die Arbeitsmotivation,
  • die Einsatzflexibilität,
  • die Identifikation mit dem Unternehmen,
  • die allgemeine Leistungsbereitschaft,
  • die Eigeninitiative zur Verbesserung von Arbeitsabläufen und Umgebungsbedingungen und
  • Kreativität im Hinblick auf eine Verbesserung der Produkte und Dienstleistungen.

Derart motivierte MitarbeiterInnen können ihren Beitrag insbesondere in den kritischen Wertschöpfungsprozessen steigern unter anderem durch

  • eine bessere Planbarkeit der Prozesse infolge geringerer Krankenstände
    und reduzierter Fluktuation,
  • kürzere Entwicklungszeiten für Produkte und Dienstleistungen und
  • geringere Fehleranfälligkeit.

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