Gesunder Lebensstil und Unternehmenskultur

Gesund leben und arbeiten


Der Lebensstil in den Bereichen Ernährung, Bewegung, Tabakkonsum sowie der Umgang mit Stress beeinflussen in hohem Ausmaß die Gesundheit und das Wohlbefinden in allen Bevölkerungen. Untersuchungen belegen, dass zahlreiche Erkrankungen durch einen „ungesunden Lebensstil“ mit verursacht werden. Lebensstil ist dabei keine reine Privatangelegenheit: Ein gesundheitsförderlicher Arbeitsplatz sowie eine unterstützende Organisationskultur tragen maßgeblich dazu bei, den Krankenstand zu senken sowie die Mitarbeiterzufriedenheit und den Unternehmenserfolg zu steigern.

Europäische Unternehmen sehen sich mit zunehmenden Gesundheitskosten konfrontiert. In gleichem Maße steigt das Interesse an Maßnahmen und Konzepten zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Allerdings haben traditionelle Programme, die sich im allgemeinen auf individuelle Risikoverhaltensweisen, wie beispielsweise Bewegungsmangel, schlechte Ernährung und Rauchen konzentrieren, bisher kaum Effekte gezeigt. Modernere Interventionen orientieren sich darum an einem ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die Gesundheit der Beschäftigten als auch die der Organisation umfasst und somit gleichermaßen auf Verhaltensänderungen und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen abzielt.

  • Was können Unternehmen tun, um einen gesundheitsgerechten Lebensstil der Beschäftigten zu fördern?
  • Was sind die Auswirkungen von erfolgreichen Interventionen, und gibt es einen messbaren wirtschaftlichen Nutzen?
  • Was kann getan werden, um Programmerfolge zu steigern?

Diese Fragen diskutierte das Europäische Netzwerk Enterprise for Health (EfH). Verschiedene Unternehmen stellten dabei ihre Erfahrungen und Erkenntnisse mit Gesundheitsmanagement-Programmen vor.

 Konsequenzen für die Praxis

  • Die Förderung eines gesundheitsgerechten Lebensstils geht über Aufklärung und persönliche Verhaltensänderung hinaus

Verschiedene Aspekte des Lebensstils, etwa im Bereich der körperlichen Bewegung oder der Ernährung, spiegeln Verhaltensmuster und Einstellungen großer Bevölkerungsgruppen wider, die sehr stark durch die allgemeinen Lebensumstände beeinflusst werden. Die Arbeitswelt als ein zentraler Lebensbereich begünstigt infolge z.B. der Zunahme von Arbeitsverdichtung und wachsenden psychischen Anforderungen ein geringeres Ausmaß an körperlicher Aktivität und die Ausbildung von gesundheitsschädlichen Lebensgewohnheiten. Unternehmen können hierzu einen zentralen Beitrag leisten, insbesondere durch Programme und Maßnahmen, die in die allgemeine Unternehmenspolitik und Organisationsentwicklung integriert sind.

  • Unternehmen sollten die Chancen einer gesundheitsgerechten Gestaltung der Arbeitswelt für die Stärkung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit erkennen

Die Vorteile eines gesundheitsgerechten Lebensstils im Hinblick auf einen besseren Gesundheitsstatus und mehr Wohlbefinden werden immer stärker als Chancen für eine bessere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erkannt, einschließlich verbesserter Beschäftigungschancen am Arbeitsmarkt. Diejenigen Unternehmen, die sich in Zukunft mit einem höheren Anteil älterer Beschäftigter im Wettbewerb behaupten müssen, investieren schon heute deutlich mehr in Anreize für gesundheitsgerechtes Verhalten. Eine stärkere Verbreitung eines gesundheitsgerechten Lebensstils kann einerseits die Produktivität durch geringere krankheitsbedingte Fehlzeiten und bessere Leistungsfähigkeit verbessern helfen und zudem über eine Reduktion von Kosten für die soziale Sicherheit die Arbeitskosten positiv beeinflussen – Voraussetzungen für Sicherung und Ausbau der Wettbewerbsposition.

  • Programme zur Förderung eines gesundheitsgerechten Lebenstils am Arbeitsplatz in die Unternehmens- und Kulturentwicklung integrieren

Gesundheit ist nicht mehr reduzierbar auf eine Privatangelegenheit, um die sich jeder nach Feierabend selbst kümmern muss. Gesundheit ist mittlerweile als ein wichtiger Teil der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit akzeptiert und entscheidet mit darüber, wie erfolgreich die Flexibilisierungsanforderungen in der Arbeitswelt gemeistert werden können. Dieses Verständnis kann nur dann in einen „kollektiven“ Lebensstil münden, wenn die kulturellen Voraussetzungen in den Unternehmen diesen Wandel unterstützen. So können bspw. gesundheitsgerechte Ernährungsgewohnheiten durch geeignete Angebote in der Betriebsverpflegung unterstützt werden, und auch gesundheitsförderliche körperliche Bewegung lässt sich in den Arbeitsalltag integrieren. Das Fundament dafür bildet eine mitarbeiterorientierte Arbeits- und Organisationsgestaltung.

 

„Interventionen, die ausschließlich Verhaltensänderungen anstreben, schlagen gewöhnlich fehl, denn Menschen fallen bekanntermaßen wieder in alte Gewohnheiten zurück, sobald die Maßnahmen abgeschlossen sind.“… „Die besten Programme messen Ausgangslage und Interessen, helfen den Betroffenen bei der persönlichen Entwicklung von Zielen, vermitteln die benötigten Fähigkeiten und bieten die entsprechenden Möglichkeiten, gesundheitsförderliches Verhalten beizubehalten.“

Dr. Michael O'Donnell, American Journal of Health Promotion, Ohio, U.S.A.

(Keynote Speaker/Themenexperte der EfH-Sitzung „Gesunder Lebensstil“, 8./9. Mai 2006, Valencia, Spanien)


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