Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben

"Arbeiten, um zu leben - Leben, um zu arbeiten"


Mehr denn je müssen sich Unternehmen heute mit Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben (Work-Life Balance) auseinandersetzen.

Das Arbeitsangebot an hochqualifizierten Nachwuchskräften wird immer kleiner. Gleichzeitig zielen die Lebensentwürfe von immer mehr LeistungsträgerInnen auf eine persönliche Entfaltung auch außerhalb des beruflichen Umfeldes ab. "War of Talents" und gesellschaftlicher Wertwandel führen gemeinsam dazu, dass Unternehmen das Erreichen von betrieblichen und individuellen Zielen in eine neues Gleichgewicht bringen müssen. Welche Strategien bieten sich hierfür an?


Die Bereitstellung externer Unterstützungsangebote (wie z.B. Kinder- und Seniorenbetreuung) reicht nicht aus, um den neuen Herausforderungen gerecht zu werden. Work-Life Balance baut auf eine förderliche Unternehmenskultur: eine Politik der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben wird auf allen Unternehmensebenen unterstützt und als integrierender Bestandteil des Managements mit klaren Zielvorgaben betrachtet und kommuniziert.

In der Umsetzung berücksichtigt sie Gesichtspunkte wie Arbeitszeit, Arbeitsabläufe und -inhalte, Arbeitsumgebung, Informations- und Kommunikationspolitik, Führungs- und Personalentwicklung sowie Vergütungssysteme.

 
Konsequenzen für die Praxis

Der Erfahrungsaustausch zu Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben im  EfH-Netzwerk läßt sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben: Kernbereich für Partnerschaft am Arbeitsplatz und betriebliche Gesundheitsförderung

    Die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben bildet einen wesentlichen Kernbereich einer partnerschaftlichen Unternehmenskultur. Entsprechende Fragen befassen sich nicht mehr ausschließlich mit den Bedürfnissen von Müttern und Familien, sondern zunehmend mit der sozialen Verantwortung und privaten Bindungen aller MitarbeiterInnen im Laufe des Arbeitslebens. Unternehmen, die Bedürfnisse ihrer Beschäftigten in den verschiedenen Lebensabschnitten erkennen und respektieren, sind bestens positioniert und vorbereitet, um sich den Herausforderungen einer veränderten Arbeitswelt zu stellen.

  2. Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben angesichts einer heterogenen Belegschaft

    Unternehmensstrategien zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sollten spezifische nationale und regionale Gegebenheiten berücksichtigen. Soziodemographische Veränderungen sowie Änderungen der Arbeitsmarktsituation haben Auswirkungen auf die Zusammensetzung der Belegschaft in Bezug auf Geschlecht, Alter, ethnische Herkunft, Familie, Gesundheit und Lebensstil. Diese Unterschiede rufen verschiedene individuelle Bedürfnisse hervor, auf die mit Hilfe von Strategien zur verbesserten Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben reagiert werden muss.

  3. Kulturwandel im Unternehmen – grundsätzliche Voraussetzung für eine nachhaltige Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben

    Unternehmen können auf eine breite Palette externer Unterstützungssysteme zurückgreifen, um auf die spezifischen Bedürfnisse ihrer MitarbeiterInnen einzugehen. Um wichtige Unternehmensziele (Bindung, Einstellung, Motivation und Leistung von Beschäftigten) entscheidend zu beeinflussen, müssen Unternehmensaktivitäten auf einen Kulturwandel aufbauen, der einen partnerschaftlichen Ansatz verfolgt. Grundvoraussetzung zur erfolgreichen Umsetzung einer Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ist die Unterstützung durch das Management. Nur so können Investitionen in die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu einer erfolgreichen Finanz- und Ressourcenplanung des Unternehmens führen.

 

"Forschungsergebnisse belegen eindeutig, dass eine Politik der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben Auswirkungen auf die Bindung an das Unternehmen, die Motivation und Produktivität der Mitarbeiter hat."

Gisela Erler, pme Familienservice GmbH, Berlin

(Keynote Speaker/Themenexpertin der EfH-Sitzung "Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben/Work-Life Balance", 15. - 16. April 2002, London)


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